Čtvrtek 4. února 1897

Oberstlandmarschall: Ich constatiere die Beschlussfähigkeit des hohen Hauses.

Konstatuji, že jest sl. sněm způsobilý usnášeti se.

Pan poslanec hrabě Kolovrat žádá za dovolenou na dobu nynějšího zasedání.

Der Herr Abg. Graf Kolowrat ersucht um einen Urlaub aus die Dauer der jetzigen Session. Ich bitte sein Gesuch zu verlesen.

Landtagssecretär Höhm (liest): Euere Durchlaucht! In Gemäßheit der Bestimmung des § 18 der Geschäftsordnung erlaube ich mir Euerer Durchlaucht ergebenst anzuzeigen, dass ich wegen Unwohlseins und der Nothwendigkeit einen mehrwöchentlichen Ausenthalt in südlicher Gegend zu nehmen, verhindert bin den Sitzungen des hohen Landtages in der gegenwärtigen Session beizuwohnen. Ich bitte daher mich für die Dauer dieser Session zu beurlauben, Euerer Durchlaucht mit vollkommenster Hochachtung ergebenster

Heinrich Graf Kolowrat. Schönpriesen, am 3. Feber 1897.

Nejvyšší maršálek zemský: Dám hlasovati o žádosti p. posl. hrab. Kolowrata za dovolenou.

Ich werde das Urlaubsgesuch des Herrn Abg. Grafen Kolowrat zur Abstimmung bringen Derselbe bittet um Urlaub aus die Dauer der Session.

Pan poslanec hrabě Kolowrat žádá, aby mu bylo povolena dovolená na dobu nynějšího zasedání. Žádám pány, kteří dovolenou povolují, aby vyzdvihli ruku.

Ich ersuche die Herren, welche den Urlaub bewilligen, die Hand zu erheben.

Dovolená jest povolena.

Der Urlaub ist bewilligt.

Pan poslanec dr. Russ, před oživ vysvědčení lékařské, omluvil svou nepřítomnost churavostí a rovněž tak p. posl. rytíř Brand.

Der Herr Abg. Dr. Russ hat unter Beibringung eines ärztlichen Zeugnisses seine Abwesenheit durch Unwohlsein entschuldigt.

Ebenso der Herr Abg. Ritter von Brand.

Přejdeme k dennímu pořádka.

Wir übergehen zur Tagesordnung.

Erster Gegenstand der Tagesordnung sind Wahlberichte.

První předmět denního pořádku jsou zprávy o volbách.

Žádám p. přísedícího zemského výboru, dra. Herolda, by ráčil zaujati místo zpravodaje.

Zpravodaj přís. zem. výb. dr. Herold. Slavný sněme! K volbě poslance do sněmu pro volicí okres venkovských obcí soudních okresů Tábor, Soběslav, Mladá Vožice, Veselí, konané dne 28. pros. 1896, dostavilo se z 237 po zákonu zvolených voličů 232.

Z odevzdaných hlasů obdržel pan Alfons Šťastný, rolník z Padařova 120, pan JUDr. Hynek Lang, advokát v Taboře, 109 hlasů, Martin Švell, obchodník v Táboře, 1 hlas a 2 lístky byly prázdné.

Nadpoloviční většina počítajíc v to prázdné lístky, činí 117, bez těchto 116 hlasů.

Tuto nadpoloviční většinu hlasů obdržel pan Alfons Šťastný, rolník v Padařově, který tudíž byl za poslance zvolen.

Jelikož pro i volbě není žádné závady, předkládá zemský výbor volební spisy, navrhuje: Slavný sněme! Račiž volbu pana Alfonse Šťastného za poslance venkovských obcí okresů soudních Tábor, Soběslav, Mladá Vožice, Veselí za platnou uznati a zvoleného k sněmu českému připustiti.

Ich beantrage, dass die Wahl des Herrn Alfons Šťastný für die Landgemeinden Tábor, Soběslau, Jung-Wožic und Veselí anerkannt und derselbe zum Landtage zugelassen werde.

Oberstlandmarschall: Verlangt jemand das Wort?

Žádá někdo za slovo?

Navrhuje se, aby volba pana Alfonsa Šťastného byla za platnou uznána a zvolený aby byl připuštěn ke sněmu.

Es wird beantragt, die Wahl des Herrn Alfons Šťastný für giltig zu erkennen und Den Gewählten zum Landtage zuzulassen.

Žádám pány, kteří s tímto návrhem souhlasí, by vyzdvihli ruku.

Ich ersuche die Herren, welche dem Antrage zustimmen, die Hand zu erheben.

Návrh jest přijat.

Der Antrag ist angenommen.

Zpravodaj přísedící zemského výboru dr. Herold: Zpráva výboru zemského o volbě zemského poslance Karla Štolce za volební okres venkovských obcí soudních okresů Mělníka a Roudnice.

Slavný sněme! K volbě poslance do sněmu pro volicí okres venkovských obcí soudních okresů Mělníka a Roudnice konané dne 23. prosice 1896 dostavilo se ze 158 po zákonu zvolených voličů 148.

Z odevzdaných hlasů oboržel p. Karel Štolc, statkář ze Spomyšle 124 hlasů, Adolf Bradáček ze Semelkovic osmnáct hlasů.

Ostatní hlasy byly roztříštěny. Nadpoloviční většina Činí 74 hlasů.

Tuto nadpoloviční většinu obdržel pan Karel Štolc, který tudíž byl za poslance zvolen.

Jelikož proti volbě této není žádné závady, předkládá zemský výbor volební spisy a navrhuje:

Slavný sněme! Račiž volbu pana K. Štolce za poslance venkovských obcí okresů soudních Mělníka a Roudnice za platnou uznati a zvoleného ke sněmu českému připustiti.

Hoher Landtag wolle die Wahl des Herrn Karl Stolc als Abgeordneten für die Landgemeinden der Berichtsbezirke Welník und Raudnitz als giltig anerkennen und denselben zum Landtage zulassen.

Nejvyšší maršálek zemský: Žádá někdo za slovo?

Verlangt Jemand das Wort?

Navrhuje se, by volba pana Štolce byla uznána za platnou, a zvolený aby byl připuštěn ke sněmu.

Es wird beantragt, die Wahl des Herrn Karl Stolc für giltig zu erkennen und den Gewählten zum Landtage zuzulassen.

Žádám pány, kteří s návrhem souhlasí, by vyzdvihli ruku.

Ich ersuche die Herren, welche dem Antrage zustimmen, die Hand zu erheben.

Návrh je přijat.

Der Antrag ist angenommen.

Abg. Dr. Herold (liest):

Bericht des Landesausschusses über die Wahl des Landtagsabgeordneten Herrn Josef Tepper für den Wahlbezirk der Landgemeinden der Gerichtsbezirke: Dauba-Wegstädtl.

Hoher Landtag! Zu der am 23. Dezember 1896 vorgenommenen Wahl des Landtagsabgeordneten für den Wahlbezirk der Landgemeinden der Gerichtsbezirke Dauba-Wegstädtl sind von den 88 ordnungsmäßig gewählten Wahlmännern 87 erschienen. Von den abgegebenen Stimmen hat erhalten:

Herr Josef Tepper, Gemeindevorsteher in Sakschen 53, und Herr Josef Böhm, Oekonom in Tuhau 34 Stimmen.

Die absolute Majorität beträgt 44 Stimmen.

Die absolute Majorität erhielt Herr Josef Tepper, Gemeindevorsteher in Sakschen, welcher daher als Abg. gewählt erscheint. |

Da gegen den Wahlvorgang kein Anstand vorliegt, so erlaubt sich der Landesausschuss die Wahlakten mit dem Antrage zu unterbreiten:

Hoher Landtag wolle die Wahl des Herrn Joses Tepper als Abgeordneten für die Landgemeinden der Gerichts bezirke Dauba-Wegstädtl als giltig anerkennen und denselben zum Landtage zulassen.

Slavný sněme račiž volbu pana Josefa Teppera za poslance venkovských obcí okresů soudních Dubé-Stěti za poslance uznati a zvoleného ke sněmu Českému připustiti.

Nejv. maršálek zemský: Žádá někdo o slovo?

Verlangt Jemand das Wort?

Es wird beantragt, die Wahl des Herrn Abg. Josef Tepper für giltig zu erklären und den Gewählten zum Landtage zuzulassen.

Navrhuje se, aby volba pana poslance Josefa Teppera byla uznána za platnou a zvolený aby byl připuštěn ke sněmu.

Žádám pány, kteří s tímto návrhem souhlasí, aby vyzdvihli ruku.

Ich ersuche diesenigen Herren, welche

diesem Antrage zustimmen, die Hand zu erheben.

Návrh jest přijat.

Der Antrag ist angenommen.

Der nächste Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Lesung des Berichtes des Landesausschusses über die Errichtung der Natural-Verpflegsstationen im Königreiche Böhmen und deren Wirksankeit im ersten Halbjahre.

Příštím předmětem denního pořádku jest první čtení zprávy zemského výboru o zařízení stravoven v království českém a o jich působností v prvním pololetí.

Berichterstatter ist der Herr Landesausschussbeisitzer Oberstlandmarschall-Stellvertreter Lippert.

Ich ertheile ihm das Wort.

Berichterstatter Oberstlandmarschallstellvertreter Landesausschussbeisitzer Dr. Lippert: Hohes Haus! Ich werde mir bei dem Gegenstande, den ich zu vertreten die Ehre habe, die Erlaubnis erbitten, aus einige meritorische Einzelnheiten eingehen zu dürfen; nicht als ob der gedruckte Bericht, der der Kommission vorgelegt werden soll, nicht alles enthielte, worüber ich Ihnen hier Ausführungen machen könnte, aber er enthält das in einer gewissenmaßen rohen Masse. Ich möchte denn doch mit einigen Fingerzeigen das hohe Haus und die Kommission, die seinerzeit die Sache in Verhandlung nehmen wird, auf die Hauptpunkte, welche sich aus dem großen aber ziemlich ungeordneten Material ergeben, aufmerksam machen.

Wie Ihnen bekannt ist, haben wir nicht ohne Vorbilder die Institution geschaffen, aber die Vorbilder, die wir hatten, bezogen sich auf Länder von beschränkterem Umfange.

In dem Umfange, wie das Königreich Böhmen dermalen die Institution eingeführt hat, in der systematischen Vertheilung über das ganze Land, besteht sie noch nirgends außer Böhmen.

Insolge dessen erscheint das Experiment, das wir gemacht haben, denn doch vom socialpolitischen Standpunkte aller Berücksichtigung wert, und ich glaube also Sie mit einigen Einzelnheiten schon jetzt vertraut machen zu dürfen.

Die Zahl der Stationen, die der Landesausschuß im Auftrage des hohen Landtages eingerichtet hat, beträgt in ganz Böhmen 259.

Nach der im Gesetze ausgedrückten Entfernung sollen sie so gelegen sein, dass man nicht mehr als 15 km Zwischenraum zwischen je einer Station findet.

Dass das faktisch bis auf einen oder einen halben km nicht durchführbar ist, ist selbstverständlich; denn es liegt nicht immer ein angemessener Ort da.

Im Allgemeinen haben wir jetzt bei dem halbjährigen Bestande schon die Erfahrung machen können, dass es sich mehr empfiehlt, die Zwischenräume eher weiter zu stecken, als enger zu machen. Praktisch ist daraus das Ergebnis, dass ich nicht glaube, dass die Anzahl der Stationen sich jemals weit über 265 erstrecken wird, auch wenn wir alle, die noch ansstehen, organisiert haben werden.

Es ist nicht günstig, den Zwischenraum kleiner zu machen, wie das ab und zu versucht wurde, weil dann die Hauptarbeit, die der zu Verpflegende zu leisten hat, eine zu geringfügige sein wird.

Denn die Hauptarbeit wird immer in der Tagreise bestehen, die er zurückzulegen hat. Bleibt ihm ein Zwischenraum von mehreren Stunden, so wird er es versuchen, in die alten Bahnen einzulenken und wird sein Nebeneinkommen auf der Strecke suchen und die Station wird ihren Zweck nicht erfüllen.

Betten bestanden und bestehen noch in diesen 259 Stationen 2405. Es käme also aus eine Station ein durchschnittlicher Belegraum von 10 Betten. In Wirklichkeit aber ist der Bedarf ein so verschiedener, dass er zwischen 25 und 4 Betten schwankt. Und dieser Bestand scheint jetzt auch im Allgemeinen ein genügender zu sein.

Interessant sind aber die Freguenzverhältnisse und dann die Beziehungen auf die einzelnen Kategorien der Reifenden.

Im Allgemeinen haben die Stationen in einem halbjährigen Zeitraume 191. 973 Reisende besucht und diese sind in den Stationen verpflegt worden entweder durch Uebernachtung oder Mittagskost.

Das würde nun für einen Tag einen Durchschnitt von 1054 Reisenden geben.

Man könnte nun annehmen, dass in Böhmen soviel durchschnittlich jeden Tag aus den Beinen sind. Aber diese Durchschnittsziffer wäre zu groß, den die Frequenz war berechnet nach jedem, der die Station besucht hat.

Die Zahl ist aber, weil die Reisenden nur über die Nacht oder über den halben Tag in der Station, verbleiben aus die Halste zu reduzieren. Dann würden 500 der richtige Durchschnitt der täglich Reisenden sein.

Um das aber noch genauer feststellen zu können, hat der Landesausschuß veranlasst, dass die Wandernden an einem bestimmten Tage gleichsam zur Stichprobe wirklich ausgenommen wurden.

Dieser eine Tag war der 31. August und da ergab sich eine etwas geringere Zahl; an diesem Tage befanden sich 762 arbeitsund stellungslose Leute unterwegs, um sich, wie man allgemein voraussetzen kann, Arbeit zu suchen. Aber auch diese Summe ist als Verdoppelung anzusehen.

Wirklich kann man zwischen 400 und 500 als Summe derjenigen in Böhmen arbeitslosen Reisenden annehmen, welche die Verpslegsstationen in Anspruch nehmen. Es würde da also auf eine Station im Durchschnitte gerechnet im halben Jahre ein Kontigent von 740 Reisenden geben, wenn die Verhältnisse im ganzen Lande gleich wären. Aber hierin zeigt sich die größte Verschiedenheit.

Während, wie Sie aus den Uebersichtstabellen ersehen können, Laun die größte Frequenz von 5020 in einem halben Jahre

besitzt, gibt es Stationen, die, wie z. B. Friedland, nur 23 Leute zu beherbergen hatten.

Der Tagesdurchschnitt in Laun macht also 26 Reisende, während aus Friedland nur 2/10 kommen, das heißt, dass nach jedem 5 Tage durchschnittlich ein Reisender eintrifft.

Die Verhältnisse sind außerordentlich verschieden und demnach auch der Aufwand selbst. Die Einrichtung - nicht die tägliche Erhaltung der Stationen - hat in Böhmen einen Aufwand von 87951 fl. erfordert Da kommt also aus eine Station durchschnittlich 339 fl.

Allein in diesem Aufwande sind auch diejenigen Aufwendungen enthalten, welche einzelne Bezirke gemacht haben zur Anschaffung oder Erbauung neuer Häuser u. s. w.

So ist in einem Bezirke ein Aufwand von 15. 000 fl. gemacht worden zur Herstellung eines geeigneten Hauses für die Naturalverpflegsstation. Diese Summe müsste man, um den richtigen Durchschnitt zu gewinnen, aus die schon gefundene Durchschnittssumme zurückführen, und Dann ergibt sich im Durchschnitte für eine Station 260 fl. als das, was für jeden Bezirk für je eine Station aufgewendet werden musste.

Die Verköstigung stellte sich verhältnismäßig nicht so hoch, man hat in ganz Böhmen ungefähr 34. 000 fl. in einem halben Jahre ausgegeben zur Verköstigung der sämmtlichen Reisenden. Auf eine Station kamen daher 123 fl. durchschnittlich und der einzelne Mann würde 16 kr. beanspruchen.

Und das war auch der Satz, den der Landesausschuss den Stationsleitern innezuhalten angegeben hat.

Um 16 fr. bekommen die Reisenden die Beköstigung, bestehend entweder in einem einfachen Mittagsmahl oder in einem Abendmahl mit Frühstück. Dazu kommen aber die Verpflegskosten, d. h. Heizung, Uiberwachung, namentlich die Kosten des Pflegers, eventuell die Miethe, wo nicht ein eigenes Haus ist, und die belaufen sich hoher, aus 43. 600 Gulden, und da kommt also auf eine Station 186 Gulden im Durchschnitt, und ein Mann beansprucht 22 fr. für seine Verpflegung. Das Alles zusammen gibt einen Durchschnitt von 291 fl. für die Beköstigung und Verpflegung in einer Station und von 38 Kreuzern für einen Mann.

Nun frägt es sich: Welche Qualität von Leuten wird denn eigentlich in diesen Stationen beherbergt? Da kann ich Ihnen nur sagen, dass man eigentlich staunen muss über den Wandel der Dinge, der da eingetreten ist, und man kann nicht recht mit Gewissheit behaupten, wohin eigentlich das Gros der früheren Vagabunden und Bettler gelangt sei. Darin stimmen alle Urtheile, mit Ausnahme ganz weniger Bezirke, die ich einzeln namhaft machen werde, überein, dass die Bettelplage durch die Einrichtung der Verpflegsstationen nicht bloß entschieden abgenommen hat, sondern dass sie in manchen Bezirken geradezu abgestellt erscheint, und während man früher nach dem Augenschein annehmen musste, dass es im Lande wimmelt von brodlosen Leuten, die sich zur Last anderer bettelnd herumtreiben, zeigt die Statistik seit der Einrichtung der Verpflegsstationen, dass das ein übersehbares Quantum ist. Es ist nicht richtig, dass es überall von solchen Leuten wimmelt.

Nun tragt es sich: wohin ist der Uiberschuss gekommen? Oder sollten wir uns getäuscht haben in der Beurtheilung der Leute, die auch früher schon aus den Beinen waren, um auf diese Weise ihr Brod zu suchen? Ich glaube, dass beides zusammen stattgefunden hat. Durch die Verpflegsstationen ist es möglich geworden, das Vagabundengesetz vom Jahre 1885 mit größerer Strenge durchzuführen. Darin lassen nun freilich die Organe der autonomen Behörden noch sehr viel zu wünschen übrig; namentlich die Ortspolizei in den Dörfern ist, wie Sie alle wissen, noch sehr schlecht bestellt, sie existiert so gut wie gar nicht. Auch sonst ist die Hilfe dieser Organe noch verhältnismäßig zu gering. Nichtsdestoweniger hat die Furcht, nach der Strenge des Gesetzes behandelt zu werden, schon einen großen Theil derjenigen Vagabunden vom Fechtgange zurück gehalten, die vordem sich herumgetrieben haben.

Das wäre zum großen Theil die Erklärung, warum die Zahl derselben sich so beschränkt hat. Ich glaube aber, dass noch ein zweites hinzutreten muss, um das Ganze zu erklären. Es ist ja wahr, dass auch diejenigen, die früher bettelnd von Haus zu Haus giengen, vielfach unverlässlich, äußerlich verlumpte Vagabunden waren, die man nur unter diese Kategorie einreihen konnte, die auch gelegenheitlich einmal zum Diebstahl sich verleiten ließen. Wenn nun diese Kategorie von Menschen jetzt wie verschwunden erscheint, so liegt ein Grund wahl darin, dass wir die Leute theilweise schlecht beurtheilt haben. Sie sind betteln gegangen von

Haus zu Haus, sie waren abgelumpt und aboßend in ihrer äußeren Erscheinung, sie haben sich zu Diebstählen verleiten lassen, sie sind der Schnapspest verfallen, aber das nur, weil sie bei ihrer Art, Brod zu suchen, in die Gelegenheit verfielen, alles das zu werden. Jetzt, wo sie ihren vierstündigen Marsch machen müssen, dann ihre ausgiebige Kost finden, wenn auch nicht eine delicate und verlockende, und ihr reinliches Lager, weichen sie von diesem Wege in geringerem Maße ab, und wir können constatieren, dass die Leute durchwegs ziemlich wohlverhaltene, in gewissem Maße anständige, erwerbsuchende Leute sind. Sie sind es geworden, indem man ihnen hilfreiche Hand geboten und sie auf eine Weise untergebracht hat, die sie nicht verleitet, Lumpen und Vagabunden im schlechten Sinne des Wortes zu werden.

Das können Sie aus der gedruckten Statistik herauslesen. Sie werden erstaunt sein, wenn Sie die Berufsarten vergleichen, wie wenig unqualifizierte Arbeiter darunter sind, d. h. solche, die am leichtesten als Bettler oder Vagabunden taxiert werden können.

Die große Mehrzahl ist qualifiziert; es sind ausgelernte Handwerkergesellen, und nur ein geringer Percentsatz ist auf unqualifizierte Arbeiter zu setzen.

Ich will nun in Bezug auf diese Unqualifizierten die Hauptzahlen anführen.

Zunächst würd nach der früheren Angabe durchschnittlich im ganzen Lande au einem Tage 1054 Mann zu verpflegen gewesen sein.

Dazu kommen aber noch die, welche abgewiesen werden mussten, weil sie die Eignung zur Ausnahme nach dem Gesetze und nach der Instruction nicht besaßen, - die sind nicht so leicht zu controllieren - welche nicht aufgenommen werden konnten, weil darüber keine Bücher geführt werden.

Ich habe an zwei Tagen des halben Jahres die Zahl derer, die abgewiesen werden mussten, verzeichnen lassen. Wenn man nach diesen Ziffern die Durchschnittsrechnung austellt, so wären damals täglich 60 Personen abgewiesen worden, das heißt 5 pZt. aller derer, die sich aus Reisen befanden, haben nicht die Qualifikazion in die Stationen aufgenommen zu werden; das heißt, Sie hatten entweder keine Reisedokumente oder waren in trunkenem Zustande oder überhaupt in einer Qualifikazion angekommen, die sie der öffentlichen Ordnung wegen ausschließen mußte.

Einzelne wurden auf den Schub gesetzt, andere wurden den Gerichten übergeben oder der Gendarmerie empfohlen.

Ich glaube, dass diese 5pZt. abnehmen werden und dass wir in späteren Berichten werden konstatieren können, dass die Zahl derselben gesunken ist

Was nun das Alter anbelangt, so ist es eigentlich erfreulich, dass die größte Zahl unter 25 Jahren steht, das es also Leute sind, die wirklich als Arbeitsuchende betrachtet werden können und die wenigstens fähig sind eine übertragene Arbeit zu übernehmen. Es waren solcher 70pZt.

Im Alter von über 50 Jahren, also Leute, die eigentlich nicht mehr recht für die Arbeit verwendet werden können und die nur in Ausnahmsfällen Brodgänge unternommen haben, um sich auf diese Weise zu ernähren, waren 4, 8pZt.

Das ist ein günstiges Verhältnis, während von den mittleren 25pZt. waren, das sind also Leute zwischen 25 und 50 Jahren, die noch als arbeitssuchend zu betrachten sind, oder als gewohnheitsmäßige Vagabunden betrachtet werden müssen.

Am merkwürdigsten erscheint das Verhältnis der unqualifizierten Arbeiter; zunächst habe ich mir gedacht, dass in Böhmen eine Unmasse von Leuten herumwandert, die keine Arbeit finden können, weil sie nichts gelernt haben; das ist nicht der Fall, sondern, wenn wir alle jene Rubriken zusammen zählen, die als unqualifizierte Arbeiter betrachtet werden und die sich als Fabrikgarbeiter ausgeben, ohne dass sie streng genommen in diese Kategorie gehören, alle, welche Taglöhner, Bergbauarbeiter sind - wenn sie alle diese Rubriken summieren, so erscheint gegenüber der Freqenz von 200. 000 doch nur eine Summe von 25. 000 Menschen als minder oder nicht qualifizierte Arbeiter.

Im Ganzen haben nur 12pZt. der Reisenden nicht eine ordentliche handwerksmäßige Ausbildung genossen; alle übrigen sind Handwerker in irgend einem Fache, die eben nur aus Noth, weil sie daheim keine passende Arbeit finden, es versuchen, eine solche zu suchen.

Da zeigt sich manches Ueberraschende: die allergrößte Summe der Arbeitssuchenden und Müssigen bilden die Schneidergehilfen - eine Erscheinung, die man sich nicht erklären konnte. Wir haben um 90 Individuen von der Schneiderzunst mehr als alle nicht qualifizierten Arbeiter zusammen.3. 900 Schneider wandern durch das Land und finden keine Beschäftigung.

Ein ähnliches Verhältnis zeigen die Schlosser, Schuhmacher, Bäcker, kurz es sind die gewöhnlichsten Arbeiter in solchen Fächern, die ihre ausgelernten Lehrlinge nicht versorgen können.

Das ist gewiss ein Fingerzeig für ein social-politisches Problem, das sich beziehen müßte auf Anweisungen dem Volke gegenüber, welchen Hantirungen, welchen Ständen man junge Leute zuführen soll.

Es scheint damit zusammenzuhängen, dass gewisse Kategorien, wozu Schneider und Bäcker gehören, in ihrem Betriebe auf das Lehrlingswesen angewiesen sind. Sie unterhalten eine solche Zahl von Lehrlingen, welche sie, wenn sie ausgelernt sind, an die Lust setzen; für Gesellen hat man kein Unterkommen und es geschieht, dass dann eine große Zahl von Schneidern, Bäckern, Schuhmachern etc. im Lande herumgeht, die nicht ihr Brod finden können.

Aber was noch schlimmer erscheint, ist das, dass Leute, die einmal eine gewisse Hantirung gelerut haben, glauben, von der Gesellschaft ein Privilegium erhalten zu haben, auf jede andere Arbeit verzichten zu können.

Ich habe mich selbst überzeugt beim Besuche von Stationen, die nicht allzuweit von Prag liegen, dass eine Menge von Leuten das Land durchwandert zu einer Zeit, wo man bei der Rübenernte jeden Arbeiter willkommen heißt und gerne aufnehmen würde.

Aber die qualifizirten Handwerker sagen, sie können eine solche Arbeit nicht unternehmen, und bei vielen ist es vielleicht physisch nicht möglich, andere stützen sich aus ihr Privilegium, aus ihren Lehrbrief, und wandern weiter, anstatt eine Arbeit anzunehmen, die nicht innerhalb ihrer Zunft liegt.

Nun noch Einiges über die Vertheilung der Reisenden. Die ist nun außerordentlich verschieden in Böhmen, und das hat Schwierigkeiten gemacht, von vornherein für die ganze an sich anerkennenswerthe Sache ein System zu finden, an welches nicht hätte bessernde Hand angelegt werden müssen; man muss durch Erfahrungen belehrt dazu kommen, das Richtige und Praktische zu finden. Aber soviel sieht man, dass der Hauptstrom von Arbeitssuchenden jetzt nach Prag geht. Die nächst um Prag gelegenen Bezirke sind am meisten überlastet und Prag hat durch seine Exemption von diesem Gesetze sich das Privilegium verschafft, alle diese Arbeiter an sich zu saugen.

Wir können einen jeden einzelnen Arbeiter nach den Protokollaraufzeichnungen auf seiner ganzen Reise in Böhmen verfolgen, nur wenn er nach Prag kommt, da verschwindet er, und wann er wieder herauskommt, das wissen wir nicht.

Ein zweiter Strom, der mit diesem sich kreuzt, geht in die Bergwerksbezirke unterhalb des Erzgebirges, und da ist Laun die Haupt-


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