7. Bericht des Christof von Genndorff in Joachimsthal an Konig Ferdinand den Ersten uber die bisher getroffenen Kriegsvorkehrungen, uber die, wegen Abschaffung der alten Fahnlein entstandene Unruhe; ferner uber die Vorgange und die Stimmung in den Landern des Kurfursten von Sachsen und seines Anhanges, uber das zwischen diesen und dem Prager Landtag bestehende Verstandniss, uber die uhzuverlasslichkeit des Herzogs Moritz von Sachsen und uber die Vermuntzung des aufbewahrten Silbers und Goldes und Instandsetzung des Schlosses.
dd. JOACHIMSTHAL, 5. September 1546. Orig. des bohm. Statthalt.-Arch. Milit. 1520–1549.
Allerdurchlauchtigister, grossmachtigister, romischer Kunig, allergnadigister Herr! E. rom. kun. Mt. sein mein allerunterthanigist Dienst gehorsamist zuvor.
Allergnadigister Kunig und Herr, gester ist Herr Bohuslav Felix von Hassenstein mit Niclas Wrchota hie ankummen und hat der Herr von Hassenstein unterwegs dem von der Weitmull E. M. Aufbotbrief zugeschickt, der mir dann wiederumben geschrieben und sich alles unterthanigisten Gehorsambs zu vollziehen gegen E. Mt. erbieten thut. Was mir aber Graf Geronimus fur ein plode und aufzugige Antwurt gegeben und ich ihme wiederumben die Stund geschrieben, das werden E. M. aus beiliegenden seinem Schreiben und aus Abschrift meiner Replica auch gnadigist zu ersehen haben. Dann so schicken der Herr von Hassenstein und ich die Aufbotbrief diese Stund auch in den Ellenbognischen und Pilsner Kreis, und vermanen dieselbigen, dass sie sich vermug E. M. Ausschreibens auf das eilendist zum Anzug, wo wir sie weiter wissen lassen werden, gefasst machen, aber das Feldgeschutz mit aller Artolerei und Puxenmeistern sollen sie bei Tag und Nacht hieher fertigen und hab dem von der Weitmull insunderheit aufs hochst vermanet, dass er ausser des, was die Stadt schicken, seines eignen Geschutz vier Valkhanetl hieher fertigen soll. Auf heut so wellen wir die Jochimstaler mustern. So wirdet auch auf kunftigen Dienstag der von Hassenstein, Wrchota oder ich bei der Mustrung im Ellenpognischen Kreis sein, und ich zweifei nicht, wir wellen dieser Ort etlich Fandel Knecht, als gut sie dieser Orten sein, mustern, an allein, dass wir mit Feldgeschutz, des wir keineswegs entbehren mugen, gar nicht gefasst sein, und wissen auch nicht eigentlich, was uns noch die Stadt und Herren, die wir aufs hohist und fleissigist an allen Orten ansprechen, schicken werden. So hat auch der Rath im Tali nicht mehr dann ein einigs kleines Tundl Pulver, derhalben wir Geschutz halben, daran am meisten gelegen, ganz bloss sein. Ich hab aber denen im Tali ernstlich befolhen und auferlegt, dass sie an allen Verzug ein Notturfi gut Pulfer zum Hand-geschutz eilendes einkaufen sollen. Die von Cadan haben auf des Herren von Hassenstein Handlung angezeigt, dass sie nicht mehr dann zwei altfewerische Stuck Puxen und gar kein Pulfer hetten, sunder sie hetten zwen Zenten Salitter kauft, daraus wollten sie erst Pulfer machen. Was die andern Stadt im Saazer Kreis auf des von der Weitmull Unterhandlung und unser Schreiben fur Geschutz und Artelorei darreichen, das werden wir erst erfahren. So acht ich, Graf Jeronimus werde sich auf mein Schreiben auch anders bedenken und etwas darschicken. Es ist aber alles uneewiss und verzugig, und wir bedurfen es auf das allereilendist, derhalben ich in aller Unter-thanigkeit bitt, E. M. wollten derhalben selbst auch auf das eilendist mit den Stadten verschaffen, damit sie hierinnen nichts absaumen.
Dann so hab ich gester Fruhe beide Rath, Viertlmeister und Eltisten der Knapschaft ver-samblet und mich von wegen heutiger Mustrung, Furdrung der Profantfuhr, des Geschutzes, auch alles Gezeugs halben, so zu den Schanzen und anderen vonnoten, und sunderlich drei Hundert Hacken oder Axten zu bestellen, die man zu Verhauung oder Aufhauung der Walder gebrauchen mogen, sambt den Wagen und Fuhrleuten, die Geschutz und all andere Notturftfuren geredt und beratschlaget, die sich heutigs Tags ihres guten Bedunken und was sie vermugen entschliessen und mir anzeigen werden. Darauf will ich mit Rath des Herren von Hassenstein und Wrchota abermals mugliche Fursehung thun.
Ich hab auch zwei Gebirg ob dem Tali, darauf man sich zum guten Vortl gegen einander uberlegen und den Einzug in den Tali verhuten mag, ausgesehen, darauf ich auf Morgen Schanzgraben zu werfen bestellet. So will ich auch zwischen denselbigen verschanzten Gebirgen die Strassen in Tali verschrenken und verbauen lassen. Dergleichen so hab ich bei dem Geschloss sareich (sie) und andere Weren zu machen verordnet, welches alles den Herren von Hassenstein und Wrchota wolgefallig, an allein, dass zu allem Thun Geschutz, Kugel, Pulfer und was darzu gehorig manglen thut, darinnen wollen E. M. gnadigist forderlich zurathen und helfen.
Dann so hab ich auch auf des Wrchota Gutbedunken ezlich viel Schanzkorb zu machen, die man zum Schloss und sunst auf die Gebirg gebrauchen wirdet, verordnet.
So wirdet man auch ungeferlich acht neue Fendi, die man wirdet zur Besetzung haben, machen und die alten, darinnen der Schlicken Wappen gewesen, abschaffen, in welchem auch die Worter "verbum domini manet in aeternum" geschrieben gewesen. Darauf die unnutzen Leut ein Geschrei gemacht, man mochte dieselbigen Worter an keinem Ort leiden, und man kunnte wohl verstehn, dass dieser Krieg aller nur wider die Religion ware. Und zu Ableinung solches Wahn bia ich der Meinung, die Fendei also zu bestellen, dass man dieselbigen Buchstaben der Worter mag zu obrist in die Fendi stellen, und in das Burgundisch Kreuz schreiben lassen: "date Deo quae Dei, Caesari quae Caesaris sunt", wie dann E. M. hiebeiliegend ein Furm des Fendls sehen werden. Solcher Meinung, achtet ich, wurde der Argwan aufgehebt und ich will auch nicht unterlassen, heut in der Mustrung die Leut von solchem Verdacht abzuweisen, der unterthenigisten Zuversicht, dieweil man nach der Leut und Leuf Gelegenheit handien muss, E. Mt. werden darob ein gnadigistes Gefallen haben.
Es berichten mich ezlich, dass auf heut oder morgen der dritt Mann des churfurstischen Volks gemustert werde; und es kummen eines aufs ander aus dem Lager neu Zeitung, dass mau getrost sein, umb Sieg und Victori beten und zweimal in der Wochen fasten soll; und ihre Sachen stunden wohl, und laufe ihnen noch taglich mehr Volks zu, dann sie es begern, und die Stadt lassen keinen Mangel an Geld. Aber daneben so seie gleichwohl Alles, was in des Churfursten Hessen und ander ihrer Anhanger Landen ist, Alles erschopft, dass gar nichts mehr vorhanden sein, und die, so etwas haben, dasselbig verlaugneu und nichts mehr dargeben wellen. Die Prediger aber an allen Orten verinanen, dass man zur Errettung der Religion alle Schatz austhun, Gut und Blut umb die ewigen Schatz und Erhaltung des Evangelii darsetzen wellen. Man will aber nimmer folgen, welcher etwas hat, der verbirgts und verleugnets und die jetzig einheimisch Kriegsrustung beschworet sie von Neuen aufs hochist; und da sie vor alle kriegen wollten, wunschen sie itzund umb Fried, und ist unter dem gmeinen Pefel die Red durchaus, wie wol noch ane Grund, man welle den Jochimstall uberziehen. Und man habe auch mit etzlichen beheimischen Stadten guten Verstand, wie dann auch einer meiner Diener solches geschrieben und E. M. hiebeiliegend verneinen werden. Von etlichen aber bin ich bericht worden, dass die churfurstischen auf jungsten Landtag zu Prag sollen gute Kundschaft der bewilligten Hilf gehabt, Auch noch Leut, die sich fur Pecken ausgeben und zu Prag arbeiten sollen, was man da thue und handel, als Boten zu und ablaufen; auch von andern, so dort auf Kundschaft liegen, Bericht bringen sollen. Aber wie mich die Sache ansichet, so warten sie auch auf Ausgang der Schlacht, sorgen, soll es ihnen ubel gehen, dass sie E. Mt. auch uberziehen mochten, derhalben sie sich gern fursehen wollten; am andern Theil, wo es ihnen wol gieng, so ist gar kein Zweifel, sie werden nach dem Jochimstall, so weit sie kunnen auch sonst in ander Weg fleissig stellen. So hab ich auch heut des Tags von Doctor Hundt vernummen, dass er von glaubwurdigen Leuten gehoret habe, dass Herzog Moriz mit den churfurstischen auch nicht ane Verstand sunder ein Neutral sei; welchem Theil das Gluck zufall, dass er gedenkt auch einen Riemen aus der Haut zu reissen. Und ich kann selbst nicht gedenken, aus was Ursachen er sein Geschutz bei Gmoch (sie) herauf gegen Sant Annaberg und der beheimischen Granizen fuhren lassen thut.
E. Mt. werden ane Zweifel pass wissen, in was Verstand E. M. mit dem Herzogen sein. Dieweil nun aber augenscheinlich, dass sich beiderseits Herzog Moriz und die Churfurstischen in Rustung begeben, so acht ich, E. Mt. werden nicht feiern lassen, sich entgegen auf das Pest gelassi zu machen; dann zu dem ihnen ihr Rustung und Fursehung gut, darzu wirdet sie E. M. auch gut sein. Das Alles werden E. Mt. nach derselbigen Notturft und Glegenheit gnadigist wissen zu bedenken.
Anlangend die Verwahrung der Silber und Geldes: Dasselbig hab ich gestrigs Tags und heunt in der Nacht lassen in Zain vergiessen und dieselbigen Zain werde ich heut aufs Schloss nemen, und soviel man alle Tag aufmunzen mag, heimblich in die Munz geben, damit die Gewerken sehen, dass man fort munzet und umb ihre Silber und Ausbeut keinen Verdacht haben. Wollten dann je zwischen hie und der Ausbeut so hohe Notturften furfallen, dass man der Gewerken Ausbeut entlehnen muste, wiewohl es nicht gut ware, so wirdet doch die Not zu derselbigen Zeit zu besserer Verantwurtung Ursach geben, dann so es itzund beschahe.
Von wegen der Ausgaben auf die Kriegssachen bitt ich E. Mt. in aller Unterthanigkeit wellen dieselbigen Jemandes andern Befelh und einen Zahlmeister verordnen, dann ich in anderweg ane das genug zu thun hab. Mittlerzeit will ich des Emnembers Diener dieselbigen Ausgaben befelhen zuvorreiten.
Mich gedeucht auch nicht gut sein, dass man das Schmelzen noch abstellen thate, bis die Gefarligkeit grosser vor Augen wirdet, so nur die Silber verwart werden. E. M. helfen nur gnedigist und furderlich mit dem Geschutz, so hoffen wir mit dem verordenten Zuzug den Einfall wol zu erweren. Ich hab an alle Ort Kundschaft bestellet; sie seind aber schwer zu bekunden, dann in des Churfursten Land hat man auf frembde und sunderlich auf E. Mt. Leut gross Aufsehen. – Das Schloss hab ich mit vierundzwainzig Knechten ausser meines Gesindes besetzet. Es ist aber allda kein andere Wehr, dann funf Halbhacken und acht Helleparten, an allein, was ich mich noch umb Gewehr bewerben wird mussen, so will ich auch heut Ordnung thun, dass in Zeit der Not dasselbig mit einem Fendi Knecht besetzet wirdet.
Profant halben wirdet es meines Achtens die wenigist Not haben, dieweil das Land hinter uns offen ist; Will mich aber nichts dest weniger der Notturft nach darumben bemuhen. Ob man sie gleich zu dem Kriegsvolk nicht bedarf, so mag sie im Tali umb das Pargeld wochenlich verkauft werden.
Ich will auch in der Ellenpognischen Mustrung den Vertragen nach von Graf Jeronimus und Graf Heinrichen begehrn, die Eroffnung des Schlosses Ellenpogen und Schlackawerd und ihr beider Hauptleut zu voreidigen. – Anlangend die Post, so ich zwischen hie und Prag legen soll, hab ich durch eisen eignen Boten zu thun verordnet, wie E. Mt. ab Copie meines Schreibens an die Stadt hiebeiliegend gnedigist sehen werden, deren Antwurt ich auf morgen gewartund bin. – Ich uber-sehicfce aach hiemit E. Mt. des Herren von der Weitmull unterthanig Schreiben, daraus E. Mt. sein Ujrterthftnigkeit und wes sich entgegen auf Jeronimus Schlicken in der Not zu verlassen, zu vornemen werden haben. – Das alles hab ich E. rom. kun. Mt., der ich mich in aller Unterthanigkeit betonen thu, nicht wellen verhalten.
Datum in Sant Jochimstall, den 5. Tag Septembris anno etc. 46.
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E. rom. kun. Mt. |
Alleruntertìianigister Cristof von Genndorff m. p. |
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